Ode an das Radfahren

Manchmal ist das Leben für mich wie Fahrrad fahren.
Gelegentlich hat man das Gefühl man investiert so viel Kraft und legt trotzdem nicht den Weg zurück, den man eigentlich schaffen wollte und trotzdem herrscht ein Gefühl von Freiheit vor, dass den ganzen Aufwand irgendwie doch schon wieder lohnenswert macht.
Bis man mal wieder an einer roten Ampel steht und kurz auf der Stelle verweilt und Zeit hat sich umzuschauen.
Man hat jedoch immer den nächsten Startschuss im Nacken sitzen.
Man kommt nie wirklich zur Ruhe.

Mal verhält man sich rücksichtslos und ein anderes mal wird man selber rücksichtslos behandelt und fast von der Straße gedrängt.
Man kann nicht immer erwarten, dass das Leben Fahrradwege und verkehrsberuhigte Zonen für einen bereit hält.
Gelegentlich überholt man andere Menschen und ärgert sich über deren Seelenruhe nicht aber darüber,
dass man selber sich nicht deren Zeit nimmt, nehmen kann, nehmen möchte, nehmen wird…
Oder es überholt einen jemand mit einem funkelnden Fahrrad mit geräuschloser Gangschaltung und dünnen Rennradreifen. Doch so wunderbar dieses ganze Konstrukt auch anmutet wenn es an einem vorbeirauscht… auch da kommt es zu Komplikationen, sobald die Straße etwas uneben wird.

Und auch wenn das Rasseln der Kette aufgrund einer nicht ordnungsgemäß gewarteten Gangschaltung einem ungewollt den Blick von seltsam dreinschauenden Statisten verschafft, zeugt es doch von Existenz, Durchhaltevermögen und ein Stück weit Individualität.
Das rostige, kratzende Geräusch der Freiheit.

Halbzeit

Dreiste Lügen schmecken dem Verbraucher mit einem Lächeln oder Schmunzeln einfach besser.
Gleichstellung ist dem ganzen auch sehr zuträglich und so pocht man auf das „Wir“- Gefühl, bietet das „Du“ an,
versinkt im Schatten der Belogenen aus deren Mitte man Unwahrheiten wie Rattengift ausstreut. Und die Ratten kommen.
Fressen ein Gift das benebelt, aber nicht tötet.
Über Nacht hat sich das magentafarbene Arschloch wieder aus dem Nirvana geschält in das es so plötzlich verschwunden war, nimmt Gestalt an und zerrt die Ketten fest.

Tanzende Marionetten in klinisch sauberen Bürogebäuden, grauer Himmel hinter lupenreinen Panoramafenstern,
Beton und Monotonie auf der Vorherrschaft und der einzige Zufluchtsort ist die gläserne Raucherinsel in der dicht gedrängt die Lustlosigkeit in fleischgewordener Form steht.
Langweile und Müdigkeit wechseln sich mit klaren Momenten voller Traurigkeit über die bestehende Situation ab.
Der Lichtblick –  durch milchiges Glas, die Uhr deren Zeiger sich wie immer in solchen Situationen viel zu langsam bewegen, das Uhrwerk verkrustet von zäher Vernachlässigung.

„Zeit für Pause“ – wird gefordert.
Halbzeit – danach wieder Monotonie, blick auf die Uhr, Müdigkeit und die wiederkehrende Frage nach dem Sinn.

Für dich

Es sind diese Tage, an denen du schon am Morgen weißt, dass daraus nichts werden kann.
An denen man sich schon morgens mental den Strick nimmt, ihn gut verknotet und dann auf Belastbarkeit prüft.
Und das hat nichts mit Depression sondern mit Frustration zu tun.
Die beiden werden relativ häufig vom Laien verwechselt und dann in völlig falsche Zusammenhänge gebracht.
Depression ist angeblich eine Volkskrankheit, damit man möglichst viele Therapiestunden und Psychopharmaka unters Volk bringen kann…da werden quasi neue Arbeitsplätze geschaffen.
Frustration kann viele Gründe haben, oftmals liegt es an mangelnder Motivation.
Und wenn man schon morgens Gesichter in den Straßen sieht, die einem sagen: „Ich will hier gar nicht sein.“ Welche Motivation hat man denn dann für sich selber?
Unmotivierte Menschen im Umfeld führen auf Dauer zu Demotivation, Demotivation führt zu Desinteresse und da haben wir dann den Salat.
Das soll natürlich nicht pauschal angewendet werden und heißen, dass derjenige, der dich auf der Straße nicht wie bescheuert angrinst, deinen Tag automatisch schon versaut hat, aber würde uns ein Lächeln und Beachten untereinander nicht gelegentlich einen Schritt weiter bringen?

Müssen wir denn immer mit Scheuklappen aneinander vorbeihetzen, uns gegenseitig erst auffallen, wenn wir uns im Weg stehen, und anstatt uns dann zu freuen, dass da ein anderer Mensch ist, erstmal genervt von „einem Hindernis“ sein? Und da will ich auf Rassismus, Faschismus, Homophobie und diesem ganzen menschenverachtenden Unsinn gar nicht erst zu sprechen kommen, weil ich dann auch wieder von der Belastbarkeit von Stricken reden müsste.
Wir leben im Überfluss, haben verlernt, was man Wertschätzung nennt, und verwenden flächendeckend Begriffe deren Bedeutungen uns selber schon beinahe nicht mehr bewusst sind.
Das fängt an bei Facebook-Freunden, die den neueren Generationen eine völlig verquerte Version des Wortes Freund vorsetzen und da ist es nun wirklich keine Hilfe, wenn wir den Quatsch mit unseren Smartphones vorleben.
Und wenn ihr jetzt mal zurück denkt, wie oft ihr in letzter Zeit selber „Liebe“ und „Hass“ verwendet habt, sollte einem vielleicht doch noch mal bewusst werden, dass Hass eine Emotion scharfer und anhaltender Antipathie ist. Hass ist etwas, dass die wenigsten von uns schon einmal wirklich erlebt haben, aber trotzdem verwenden wir es häufig in unserem Sprachschatz.

Aber so wird es uns nun mal vorgelebt. Und damit spreche ich nicht die miserable Erziehung mancher Eltern an, sondern kritisiere, dass viele ihre Kinder vor dem Fernseher parken um sich dann ins Berufsleben zu stürzen……nicht weil sie das gerne möchten, sondern um ihren Kindern etwas bieten zu können.
„Etwas bieten“ bedeutet in diesem Moment Geld, aus dem wir uns so bereitwillig unsere Handschellen basteln.
Die Kinder erhalten ihr Wissen über Propagandasendungen und „Wissensmagazine“, die Eltern kaufen ihnen die Artikel aus der Werbung und das Hirn zerbröselt……… von innen nach außen.
Und ohne Selbstreflektion wird es den meisten in naher Zukunft auch nicht bewusst werden und man möchte zum Wohle aller hoffen, dass die Maya Recht behalten.
Mit dem Fernseher als verzerrtes und manipuliertes Bild das eigene Verhalten zu reflektieren ist ein relativ sinnloses Unterfangen, da müsste dann schon eher ein Spiegel an seiner statt stehen.
Dann sieht man die unmotivierte, gelangweilte Person, die auf dem Sofa hockt und nichts tut außer in ein großes Viereck zu starren und vielleicht, aber nur vielleicht, fängt im Kopf ja etwas zu arbeiten an.

Bis dahin schwingen wir morgens frustriert die Beine aus dem Bett und glauben zu wissen, dass aus diesem Tag ohne Strick auch nichts mehr werden kann…..

Ich bin zu jung um die Dinge die hier vorgehen zu verstehen, doch zu alt um einfach über alles wegzusehen.

Und dann probiert man irgendwie auf diesen Zug aufzusteigen auf dem sich scheinbar alle außer einem selbst den Arsch breit sitzen….
Und man schafft es nicht.
Alle fahren Bahn und selber radelt man bei -11°C über spiegelglatte Straßen in der Hoffnung demnächst schafft man es, demnächst wird alles besser.
Demnächst, morgen, nächsten Donnerstag oder irgendwann ….scheißegal, es wird.
Also schlittert man so vor sich hin, immer mit der Angst lebend demnächst auf die Fresse zu fallen.
Nach einiger Zeit….lebt man sich so ein.

Und der Blick in den warmen Innenraum wird….desinteressierter. Keinesfalls leerer, aber die Faszination schwindet.
Die Faszination für das eingepfercht werden in Straßenbahnwaggons, für Fast Food Restaurants, für Informationen aus der Zeitung und  für Kontakt mit Menschen die freudestrahlend alles schlucken was man ihnen vorsetzt.
Ich hab keine Ahnung wie man bügelt, wenn ich koche greife ich oft zu fertigen Produkten und wenn es nicht so teuer wäre,
würde ich wahrscheinlich demnächst nicht mal mehr die Kartoffeln selber schälen.
Soll ich ja auch nicht.
Ich soll konsumieren, fressen und kaufen. Und nebenbei pump ich mich mit Medikamenten voll damit ich die Arbeit
die ich für diese ganzen Anschaffungen leisten muss auch noch 5 Tage die Woche überstehen kann.
Mit unbezahlten Überstunden, unfreundlichen Kollegen, die sicher auch ganz nette Menschen wären wenn sie nicht genau so von ihrer Kaufsucht zerfressen wären wie ich es bin und einem Chef der weiterhin hilft dieses ganze System aufrecht zu erhalten
obwohl auch seine Leber schon nach Hilfe schreit, wenn er sich nach Feierabend die gute Flasche Wodka schmecken lässt.

Prost!

Positiv denken ist ja schön und gut.
Und natürlich liegt es in der Natur des modernen Menschen Scheiße zu Gold zu quatschen, warum auch nicht – die Menschen waren ja schon immer fasziniert von Märchen und Sagen.
Wir geben Leuten unsere Unterstützung nur weil sie einmal schreien „Rettet den Planeten“, aber wieso retten wir uns nicht erstmal selbst?
Warum wird nicht mehr hinterfragt?
Wieso regen wir uns über unnütze, nichtssagende Berichte und Artikel und augenscheinliche Fehlmeldungen auf, anstatt uns über die Leute aufzuregen die dafür sorgen, dass genau dieser Unsinn gedruckt, gefilmt, vertont und in die Köpfe der breiten Masse eingepflanzt wird?

Und als Antwort bekomme ich Schweigen und stumpfe Blicke von Menschen die nebeneinander stehen und aneinander vorbei existieren.
Von den Menschen die daneben stehen wenn man dich zusammenschlägt und dir Portemonee und Mobiltelefon abknöpft
und am nächsten Tag am Frühstückstisch mit der BILD in der Hand lauthals über die Kriminalität in der Welt schimpfen.
Die lieber krank auf Arbeit gehen als gesund durchs Leben.

Und da sitzen sie nun, Namensschildchen, eine gültige Fahrkarte, ernst schauende Gesichter auf Plastikkarten mit Nummer auf der Stirn – und starten in den Alltag.
Ist nicht so mein Ding.

Ich fahr lieber Rad.

Gewohnheitstier

Der Gang zum Fahrstuhl dessen fleckige Tapete im elektrischen Licht seltsam leuchtet, riecht nach Kochkunst aus verschiedenen Ländern.
Im Fahrstuhlraum selbst liegt Müll auf dem schmutzigen Boden. Wieder einmal hat hier scheinbar die Faulheit gesiegt, die 9 Stockwerke zum Müllraum herunterfahren ist ein nicht lohnender Kraftaufwand.Durch das offene Fenster zieht der eisige Januarwind.
Als die Fahrstuhltür sich mit einem schabenden Geräusch öffnet strömt mir der Geruch von Urin entgegen. Mir wird schon lange nicht mehr schlecht. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier.
Vor allem aber ein Tier.

Unten angekommen durchschreite ich die Eingangshalle und frage mich dabei ob sie im jetzigen Augenblick nicht Ausgangshalle heissen sollte. Meine Gedanken werden unterbrochen als mir eine Woge von kaltem Rauch und Alkohol entgegenschlägt. Der alte Mann nickt mir freundlich zu, ich nicke zurück, wir gehen unserer Wege. Meiner führt mich durch die Tür nach draußen wo ich direkt in eine schnatternde Touristenmenge laufe der ich leicht genervt ausweiche.
Ich sauge die kalte Stadtluft in die Lungen und laufe geblendet vom Sonnenlicht auf die andere Straßenseite. Das dort stehende Gebäude betrete ich durch den Seiteneingang. Noch mehr Menschen, vor allem Reisende.
Auf meinem Weg penetrieren abwechselnd Gerüche meine Nase. Hervorstechend sind Parfüm und Essen. Gerade bei Letzterem fühle ich mich sehr stark an den Gang vor meiner Wohnung erinnert.

Das unbehagliche Gefühl wächst je näher die drei Uniformierten kommen. Als sie an mir vorbei sind löst sich die Klammer um die Brust langsam. Ich habe nichts zu verbergen, sie haben mir nichts getan, doch wohl fühlen kann ich mich in der Nähe von Freund und Helfer leider nicht. Ich frage mich ob ich mit diesem Gefühl alleine bin.
Viele Geschäfte locken mit bunten Auslagen – Bunte Schriftzüge, grelle Lichter, doch das alles sehe ich schon gar nicht mehr.
Zielsicher finde ich das Geschäft in dem ich in eine zähe Wolke aus schweren süßen Gerüchen der Kosmetikartikel gehüllt werde.
Plötzlich wird mir schlecht.

Glücklich und zufrieden über den Kauf überteuerter Produkte trete ich meinen Rückweg auf der Expedition in dieses bunte Wunderland an. Gelegentlich schaue ich mich um und versuche Faszination oder zumindest nur Interesse für diesen Ort zu empfinden. Als dies nicht gelingt versuche ich irgendetwas zu empfinden. Es klappt, denn wie auf Kommando stehen vor dem Ausgang, der auf dem Hinweg noch ein Eingang war, die 3 Uniformierten ihre Argusaugen auf mich geheftet und die Mienen böse verzerrt. Und mit ihnen kehrt das Unwohlsein zurück.
Als ich blinzle stehen sie ins Gespräch vertieft und nehmen keine Notiz von mir.

In Gedanken gehe ich die letzten Meter über die Straße und werde wieder einmal unterbrochen, diesmal durch ein lautes Klingeln. Als ich den Kopf hebe seh ich mein eigenes Gesicht verblüfft in der Reflektion des Seitenfensters einer Straßenbahn, das eine Nasenlänge vor mir vorbeirauscht.
Der Schlüssel öffnet das Schloss der schweren Eisentür die hinter mir mit einem lauten Krachen zufällt, welches einige Sekunden braucht eh es verhallt.
Danach ist nichts, nur Stille.
Als die Fahrstuhltür sich mit einem kratzenden Geräusch öffnet, strömt mir der Geruch von Urin entgegen. Mir wird schon lange nicht mehr schlecht. Ich bin ein Gewohnheitstier.

Vor allem aber ein Tier.

Sonntag

Das Klimpern des mit Flaschenpfand beladenenen Einkaufswagens mischt sich in das monotone Prasseln des Regens der aus dicken grauen Wolken fällt.In der Menge sieht man ungewöhnlich viele bunte Tüten die das Logo des jeweiligen favorisierten Blutsaugers tragen

Es muss ein Sonntag sein.
Die Geräusche der Straßenbahn brechen sich in den Straßenschluchten während ein Niemand aus den Straßenschluchten in die Straßenbahn bricht.
Kopfschüttelnd hält sich die Oma an ihrem Einkaufskoffer fest und denkt sich „Früher hätte es sowas nicht gegeben“
Während ich sie ihren kleinen Koffer hinter sich herziehen sehe und das Klackern von Plastikrädern auf Stein langsam leiser wird, denke ich das auch.

Sicheres Auftreten bei völliger Ahnungslosigkeit

Stundenlanges Telefonieren, obwohl der Auftraggeber einen verleugnet, schlecht informiert und im Allgemeinen ein riesengroßes Magenta Arschloch ist.
Dass ich Menschen am Telefon verarschen soll nur um meine sogenannte Quote oben zu halten, die mir wiederum nur einbrockt, dass die Vorgesetzten mir sagen, ich mache meine Sache bestens.
Und ja, vielleicht ich bin einer der besten ……Betrüger des Unternehmens.

Jeden Tag die selbe Leier, die einstudierten Floskeln, das künstliche Lachen. „Schönen Guten Tag mein Name ist“
……ich verwende meinen richtigen Namen.
Ich gebe meinen Namen her um Vertrauen zu erwecken. Um Dinge zu verkaufen die die meisten meiner Kollegen genauso dämlich finden wie ich.

Sie rufen doch aus einem dieser Call Center an.
Bestätigen darf ich es nicht. Also antworte ich:
Call Center? Ich kenne alle meine Kollegen persönlich, wir sitzen nur in einem großen Büro, da die Kommunikation so besser von statten gehen kann.

Und der Mensch, dumm wie er ist, gibt sich mit dieser inhaltslosen Aussage vollkommen zufrieden. Warum sollte er auch zweifeln, er hat ja meinen Namen.

Aber es ist nicht immer so einfach, viele sind Misstrauisch, wollen sich 100 mal Rückversichern oder lehnen Gespräche gänzlich ab.
Eigentlich könnte ich mich, als Privatperson natürlich freuen.
Aber Erstens geht der Kunde so nur einem anderen Unternehmen ins Netz und Zweitens existiere ich für die Zeit meiner Arbeit nicht als Privatperson.
Ich habe keine Weltanschauung, keinen Glauben und keine Gefühle. Sonst würde ich den Kunden anschreien, ihn nicht ernst nehmen oder in Tränen ausbrechen,
„Wenn der Kunde einen Hund hat, dann hast du eben auch einen Hund.“ ist einer der lustigsten und zugleich traurigsten Sätze die ich in dieser Branche gehört habe.

Kommunikationspsychologie nennen es die Einen. Kundenorientiertes Denken nennen es die Anderen. Ich nenne es Manipulation, weil es nichts anderes ist.

Doch zurück zum Thema. Misstrauische Kunden schlagen natürlich negativ auf die Quote, negative Quoten bedeuten negative Auswirkungen für meinen Arbeitgeber.
So finden wir uns also einmal die Woche zum Team-Meeting ein und diskutieren Probleme. Jede Woche die Selben. Doch anstatt einer endgültigen Lösung in Kooperation mit unserem Auftraggeber gibt es neue Argumente um dem Endverbraucher glaubhaft versichern zu können es sei alles in Ordnung oder werde bald wieder in Ordnung sein.
Durchaus verständlich, da wir offiziell ja nicht existieren.

Und mal ehrlich:  Wer pinkelt schon gerne seinem Geldgeber ans Bein?

Zum Schluss applaudieren wir uns gegenseitig zu, warum verstehen wir selber nicht, die Team-Leitung fängt an und wir sind einfach gute Schafe.

Freundlicherweise wird uns eine Trainerin zur Seite gestellt die wir alles mögliche über Verträge, Unternehmen, Argumentation und vieles mehr fragen können.
Meine Kollegen und mich nennt man Call Center Agents, für die Kunden sind wir Kundenberater.
Wer sagt mir also, dass für Menschen in höheren Positionen die nette Dame immer noch eine Trainerin ist?
Vielleicht ist sie Motivationshilfe, vielleicht muss auch sie eine Verbesserung irgendwelcher Quoten bewerkstelligen damit sie nicht die Entlassungspapiere bekommt.
Vielleicht werde ich auch einfach nur paranoid.

Und jetzt kommt ihr und wollt mir erzählen, dass Jobs nun mal so sind. Sie machen keinen Spaß, sie bringen Geld und davon meist auch zu wenig.
Doch alles was mir bleibt ist sicheres Auftreten bei völliger Ahnungslosigkeit und ein bitterer Geschmack im Mund auf dem Heimweg.

Guten Morgen

Sonnenlicht, das durch viel zu dreckige Fenster fällt
reisst dich aus den Reflektionen der Welt
die besser weiter ins Dunkel gehüllt worden wären.
Die Wolken, deren einziges Ziel ist kein Ziel zu haben,
belächeln den Dreck auf der Straße
die sich langsam aus den Schatten schält.Tatütata
Der Freund und Helfer schreitet zu neuen Heldentaten,
heute vielleicht endlich wieder mit Knüppel und Tränengas.
Während die stumpfen Mumien aufgeputscht von Kaffeebohnen und Zucker in einen anderen Existenzzustand gerissen werden
könnten sie doch nicht lebloser sein als sie es in diesem Moment sind. Amen.
Es ist der zentnerschwere Aktenkoffer am Arm oder der tonnenschwere Rucksack auf dem Rücken,
die Handschellen des 21.Jahrhunderts bestehen nicht mehr aus Metall
und keiner hat Lust jetzt zu funktionieren.
Wo doch die Enlohnung dafür die bekommen, denen nicht mal im Traum den sie jetzt gerade träumen
einfallen würde um diese Zeit schon auf den Beinen zu sein.
Wach ist der Straßenzeitungsverkäufer und Pfandflaschensammler auch nicht
doch fällt es bei diesen Temperaturen schwer seinen Zustand als Schlaf zu bezeichnen.

Die Glücklichen die sich erst ab Mittag der großen Maschinerie als Zahnrad zur Verfügung stellen,
quälen sich langsam aus ihren Betten, geweckt vom Rattern der Straßenbahn.
Und im Glauben es gäbe nichts wichtigeres als ein Knäuel buntes Papier aus dem Briefkasten zu entnehmen,
starten sie ihren Tag in dem sie ihren Anteil zur Rettung des Regenwaldes beitragen
und wie von der Hausverwaltung vorgegeben, fachgerecht Recyceln. Die Umwelt dankt.

Scheibchenweise werden Toast, Wurst und Käse ihren aufwendig designten Verpackungen entnommen und mit den
für den Zuschauer zurechtgestückelten Informationen in Zeitung und Fernseher konsumiert.

Jetzt auch in HD.